Anja Müller, Bettina Gries - FAIRnetzt mit Fritz - gemeinsam gute Daten schaffen. Nachnutzung digitaler Kulturdaten im Rahmen des Berliner Förderprogramms Digitalisierung am Beispiel des Deutschen Technikmuseums Berlin

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Anja Müller (digiS, Berlin)

Bettina Gries (Stiftung Deutsches Technikmuseum, Berlin)



Datei:Müller Gries Präsentation zusammengefügt.compressed.pdf (CC-BY-NC-ND/4.0)

DOI: http://doi.org/10.7479/39km-5p8w/09

Zusammenfassung

Anja Müller:

Seit 2012 gibt es in Berlin, gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, das „Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes“. In einem wettbewerblichen Verfahren können sich Kulturinstitutionen mit Sitz in Berlin um Fördergelder bewerben zur Digitalisierung ihrer Sammlungen und Bestände. Ziel des spartenübergreifenden Förderprogramms war (und ist) es, den digitalen Zugang zu den Sammlungen zu schaffen für die (digitalen) Nutzer. Das Berliner Kulturerbe soll zudem angemessen in dem sich 2012 noch im Aufbau befindenden Kulturgutportal, der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), sichtbar sein.

Die Berliner Digitalisierungsstrategie von 2010 sieht allerdings mehr vor als eine dezentrale Projektförderung. Parallel zum Programm und als dessen Knoten- und Vernetzungspunkt wurde digis (Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin) am Zuse-Institut Berlin (ZIB) eingerichtet. digiS sieht seine Aufgabe darin, seine Partner auf ihrem digitalen Weg beratend und mit konkreten technischen Services zu unterstützen. Besondere Kompetenzen von digiS liegen in den Bereichen der Datenkuration und der Sicherung der dauerhaften Verfügbarkeit der digitalen Kulturdaten. In beiden Feldern bietet digiS Know-How-Transfer an durch sowohl zahlreiche Workshops, die allen Interessierten offen stehen, als auch durch konkrete Services beim Mapping und strukturierten Aufbereiten der (Meta-)Daten, ihrer Anreicherung mit Normvokabularen sowie der Übernahme der Daten (Digitalisate und Metadaten) in das von digiS in Kooperation mit dem KOBV und dem ZIB entwickelte LZA-System EWIG.

Ziel des Berliner Förderprogramms ist es, Nachhaltigkeit herzustellen in Bezug auf den Daten-Rohstoff, mit dem die Projektpartner arbeiten. Dies beinhaltet in vielen Kulturinstitutionen, dass man sich hausintern, abteilungsübergreifend und interdisziplinär (Archiv, Bibliothek & Sammlung) mit Fragen einer spartenübergreifenden Datenkuration auseinandersetzen muss und darüber hinaus auch mit den Anforderungen, die der digitale Nutzer an Datenqualität, Datenverfügbarkeit und Nachnutzbarkeit stellt. Diese (Teil-)prozesse befördern und begleiten den Gesamtprozess der „digitalen Transformation“ in den Einrichtungen. Digitale Sammlungen sind aus unserer Sicht ein wesentlicher Teil und die Basis für die Entwicklung und Umsetzung einer digitalen Strategie der Kultureinrichtungen. Die Arbeit von digiS zielt daher darauf ab, die Daten im besten Sinn nachnutzbar zu machen (siehe hierzu auch die verschiedenen Beispiele aus dem Berliner Förderprogramm im Vortrag). Im Sinn einer guten Datenqualität wären dies Daten, die nach den FAIR Prinzipien aufbereitet sind: Findable, Accessible, Interoperable, Reusable. Die Daten sind zugänglich, möglichst nachnutzbar lizensiert (dies wiederum ist das einzige nicht FAIRe Kriterium), interoperabel, kontextualisiert und sorgfältig dokumentiert; die Datensätze sind dauerhaft identifizierbar und verfügbar.

Durch die Mitbegründung von Coding da Vinci, dem bundesweiten Kulturhackathon, steht zudem ein Format zur Verfügung, in dem die Kulturinstitutionen (GLAM) mit ihren digitalen Nutzern zusammenkommen können und gemeinsam an Datenprojekten arbeiten können. Coding da Vinci, gegründet 2014 von digis, DDB, Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland, ist nach den zwei ersten sehr erfolgreichen bundesweiten Events in Berlin, in die Region gegangen. Noch in diesem Jahr (2018) werden zwei Hackathons stattfinden (CdV Ost und CdV Rhein-Main).

Coding da Vinci macht einerseits den Wert offener Kulturdaten für GLAM und Coder gleichermaßen erfahrbar. Der Kulturhackathon vernetzt die Communities aus kultur-, tech- und datenaffinen Menschen. Durch die Nachnutzung von Kulturdaten unter offenen Lizenzen und Formaten im Rahmen neuer, während des Hackathons entstandener Anwendungen, die wiederum unter offenen Lizenzen zur Verfügung stehen, werden neue Kontexte für Daten und neues Wissen geschaffen.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen von Coding da Vinci wird im zweiten Teil des Vortrages von Bettina Gries (Deutsches Technikmuseum Berlin) vorgestellt: das FRITZ-Fahrkartentool.

Bettina Gries:

Museen sind – im besonderen Maße von den Digitalisierungsprozessen der letzten zehn Jahre angeregt – im Wandel begriffen. Und agilem digitalen Prozessen in schönster Logik folgend, wissen wir noch nicht wirklich, wohin dieser Prozess führt. Was wir zunächst mit Sicherheit sagen können, ist, dass sich die Aufgaben von Museen und das Tätigkeitsspektrum ihrer Mitarbeiter erweitern werden.

Viele neue Tätigkeitsfelder sind schon in der bisherigen Arbeit angelegt – sie sind uns sozusagen nicht wesensfremd. Aber sie im Zuge des digitalen Wandels in einer deutlich anderen Dimension auszufüllen, erfordert neben strukturellen Veränderungen auch enorme digitale Ressourcen. Einen Löwenanteil davon werden unserer digitalen Sammlungen und andere digitale Werte des Museums ausmachen. Und deren kreative Nachnutzung.

Wenn Museen (GLAM-Institutionen) Veränderungen in den Aufgaben und Tätigkeitsspektren im Zuge der Digitalisierung annehmen, wird die zielgerichtete und qualitativ hochwertige Herstellung von Digitalisaten / Metadaten und deren Nachnutzung organisch.

Digitale Strategien zeichnen Weg vor, aber wirkliche Herausforderung im Zuge der Digitalisierung ist die Ausbildung eines digital mindset an unseren Häusern sowie die Überwindung von Widerständen und das Aufbrechen von Routinen und Strukturen.

Die Unternehmen und Institution finden individuelle Wege, Restrukturierung und Aufgeschlossenheit für den Wandel zu befördern. Wir haben uns im Deutschen Technikmuseum entschieden, schon während der Erarbeitung unserer Digitalen Strategie eine Vielzahl digitaler Projekte zu realisieren, die

a. möglichst viele Mitarbeiter an digitale Aufgabenstellungen heranzuführen

b. Berührungsängste nehmen / Potentiale aufzeigen / Mitarbeiter befähigen

c. neue Modelle der Kollaboration zwischen Nutzern und dem Museum erproben

Ein Projekt, das all diese Ziele idealtypisch unterstützte, war für uns im Herbst 2017 der Kultur-Hackathon Coding da Vinci.

Auf unseren Wunsch entwickelten die Hacker und Gestalter das Fritz-Fahrkartentool, mit dem wir nun unsere digitalisierte historische Fahrkartensammlung erschließen können. Aber wir haben noch viel mehr gewonnen! Insbesondere die positiven Rückwirkungen in unser Haus, wie die gewachsene Aufgeschlossenheit für innovative Software-Lösungen und Partizipation, sind von großem Wert für unsere digitalen Veränderungsprozesse.


Diese Seite wurde zuletzt am 7. September 2018 um 11:11 Uhr geändert.