Martin Stricker - Digitalisierung und Erschließung wissenschaftlicher Sammlungen für Forschung, Lehre und Transfer

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Martin Stricker (Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Berlin)



Datei:VerwertungStricker.compressed.neu.pdf (CC-BY/4.0)

DOI: http://doi.org/10.7479/39km-5p8w/04

Zusammenfassung

Für die über 1100 Sammlungen und Museen an Universitäten und Hochschulen ist ihr Nutzwert für wissenschaftliche Aktiviten von zentraler Bedeutung. Diese Rolle hat der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als (dezentrale) Forschungsinfrastrukturen im Jahre 2011 hervorgehoben.

Im Hinblick auf den Verwertungsdiskurs zielt die Arbeit der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland deshalb in erster Linie auf Nutzbarkeit und Nutzung der Sammlungen für Forschung, Lehre und den wissenschaftlichen Transfer. Diese Programmatik lässt sich im Bereich der Digitalisierung und digitalen Erschließung in folgende konkreten Ziele aufschlüsseln:

  • Herstellung von digitalen Reproduktionen oder Rekonstruktionen von Sammlungsobjekten

("Digitalisaten"). Dabei sollten die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Objekttypen und die fachlichen Erkenntnisziele leitend bei den Entscheidungen sein, mit welchen Verfahren unter welchem Aufwand welche digitalen Formate (2D, 3D etc.) erzeugt werden.

  • Reproduktion von Objektbegutachtung, -untersuchung, -vermessung und -experimentierung im

Digitalen, also eine Überführung der "materiellen" Objektbegegnung in digitale Plattformen und Workspaces, insofern das möglich ist. Dazu gehören auch Arten der Untersuchung, die analog nicht oder nur sehr schwer möglich sind (z.B. bildgebende Verfahren, die das "Innere" von Objekten sichtbar machen). Ein sehr gutes Praxisbeispiel ist die virtuelle Forschungsumgebung Zoosphere.

  • Erschließung der Objekte sowie ihrer Kontexte und ihrer Geschichte in standardisierter,

strukturierter Dokumentation. Es gibt bereits viele nutzbare Standards, die eine moderne Modellierung und interoperable Implementierung ermöglichen. Was noch fehlt sind koordinierte Absprachen für einzelne Fach- und Objektgattungsgruppen, wie die Standards spezifisch verwendet werden sollen. Beispiele für solche Anwendungsprofile bzw. fachliche Standards sind für die Numsimatik Nomisma oder für die Druckgraphik der Gemeinsame Feldkatalog Graphischer Sammlungen.

  • Der Zugang zu Daten und ihre Nutzungsmöglichkeiten muss möglichst niedrigschwellig sein. Das

bedeutet: vernetzte leistungsfähige Onlinezugänge, Open Access und freie Lizenzen. Es sollte technisch möglichst einfach sein, sich digitale Dateien und strukturierte Daten anzueigegnen durch Download bzw. offene Schnittstellen.

Zu den Faktoren, die eine optimale digitale Nutzung der Sammlungsobjekte be- oder verhindern können, gehören "sensible Objekte": Objekte deren Besitz, Zurschaustellung oder freie Nutzung aus ethischen Gründen fragwürdig sein kann (Raubgut, koloniale Objekte, Human Remains deren Provenienz zweifelhaft ist etc.). Hier ist ein differenzierter Ansatz je nach Situation notwendig und sinnvoll: Digitalisierung zur Bestandssicherung, Teil-Zugänglichmachen von Daten (zum Beispiel Erschließungsdaten, aber keine digitalen Reproduktionen).

Auch kann das ethische Problem zum Erschließungsgegenstand selber gemacht werden: digitale Provenienzdokumentation, oder kollaborative Online-Projekte mit Partner_innen aus den historischen Kontexten der Objekte.


Diese Seite wurde zuletzt am 28. August 2018 um 09:50 Uhr geändert.